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Stütze kann man nicht erklären!

March 21, 20243 min read

“Stütze kann man nicht erklären”

Dieses Statement seines Gesangslehrers erzählte mir ein Teilnehmer eines meiner Seminare in einer Pause.

‚Spannend‘ antwortete ich mit einem Lächeln. Hatten wir doch eben über eine Stunde nur an Stütze und Zwerchfelltechnik theoretisch und praktisch gearbeitet.

Fest steht, dass es um das Thema ‚Stütze‘ viele Mythen, Ungenauigkeiten und Unsicherheiten gibt.

Darum hier ein paar Anregungen und Überlegungen dazu.

Einmal hatte ich ein sehr angeregtes Gespräch mit einem Sänger und Gesangslehrer-Kollegen.

Dabei konnten wir eine ähnliche Beobachtungen bei unseren Schülern feststellen:

Sind Sängerinnen und Sänger noch unerfahrener, so unterschätzen sie meist die Möglichkeiten, die eine gut funktionierende Stütze gibt. Erst nach und nach kommt das Gespür für die richtige Stütze und damit auch ein großer Fortschritt mit dem Gesang.

Sind sie dann erfahrener und wissen um die Kraft und Wichtigkeit der Stütze, dann machen sie oft ‚zu viel‘ und kommen dadurch in Verspannungen. Das ‚Loslassen‘ und ‚Locker lassen‘ bleibt oft auf der Strecke.

Das Zwerchfell ist einerseits als Atemmuskel eines der zentralen Organe, die wir haben. Als solches ‚Organ‘ gehorcht es ganz bestimmten Gesetzen. Kennt man diese, so kann man sehr genau und gewinnbringend damit arbeiten!

Andererseits gibt es gerade wegen dieser zentralen Aufgabe einen wichtigen Rhythmus unseres Lebens vor und steht damit für viele transzendente Aufgaben und Einflüsse.

  1. das ‚organisches Zwerchfell‘

Nüchtern betrachtet liefert das Zwerchfell die Energie für das Atmen und damit auch für den Gesang. Wie unterschiedlich die Aufgabe der ‚reinen Atmung‘ (Ruheatmung) im Gegensatz zur Unterstützung des Gesanges (‚gestützte Atmung‘) ist, zeigt eine kleine Übung:

Atme einige Male ruhig und tief durch die Nase ein und durch den Mund aus (ohne dabei ein stimmliches Geräusch zu produzieren). Dabei spürst Du bei der Einatmung einen Spannungsaufbau und bei der Ausatmung eine Entspannung im Körper. Tausende Entspannungs-Übungen bauen auf diesen Zusammenhang auf.

Damit beobachten wir bei der ‚Ruheatmung‘ folgende Spannungs-Verhältnisse:

Einatmung: Spannung

Ausatmung: Entspannung

Als Beispiel für die gestützte Atmung zische einige Male ein sssss hintereinander. Am Ende jedes ‚ssss‘ läßt Du die Spannung ruckartig aus. Jetzt ist folgendes zu beobachten:

Beim ‚sssss‘ baut sich einen Spannung aus, die am Ende ruckartig ausläßt. Dabei holt sich der Körper wie von selbst Luft nach.

Oder anders gesagt: Jetzt haben wir folgende Spannungverhältnisse:

Einatumg: Entspannung

Ausatmung: Spannung

Also genau umgekehrt, wie bei der Ruheatmung. Alleine dieser Umstand trägt häufig dazu bei, dass bei Nicht-Bewusstheit um diesen Zusammenhang Atemprobleme beim Singen auftreten, wie Kurzatmigkeit oder ‚zuviel Luft‘.

  1. das ‚transzendente Zwerchfell‘

Als oben genannter ‚Rhythmus-Geber‘ für unser Leben steht das Zwerchfell für das Eins-Sein mit uns und der Welt um uns herum.

Probleme beim Atmen oder mit dem Zwerchfell können daher ein Ausdruck des Aus-dem-Gleichgewicht-kommens sein.

Sich die Zeit für Atemübungen zu nehmen, ganz zu sich und ganz zur Ruhe zu kommen tut allgemein jedem Menschen gut, ist aber speziell für Sängerinnen und Sänger eine weit unterschätzte gesangliche Qualitäts-Quelle. Denn wir versorgen damit nicht nur unser stimmliches Organ mit der notwendigen Energie, wir stärken damit auch unsere (sängerische) Persönlichkeit. Wir bringen Ruhe und Kraft in unser Sein und Handeln.

Abschließend möchte ich zum Eingangs-Zitat ergänzen:

Stütze kann man sogar sehr gut erklären. Aber Stütz-Arbeit hat viele Aspekte. Und diese Arbeit hört ein ganzes sängerisches Leben nie auf.

AtmungZwerchfellGesang
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